Social Media, PR und mehr.

Die Aufspaltung der Webgemeinschaft?

Lange habe ich gezögert zum Thema Wikileaks etwas zu schreiben. Zum einen, da ich nicht so tief im Thema drin bin, zum anderen weil andere schon sehr gute Beiträge hierzu geschrieben haben, unter anderem gibt es einen interessanten Beitrag im Deutschlandradio.

Was geschah nun? Zunächst gibt es eine (Hexen-)Jagd auf Julian Assange von Interpol mit Assange als “Most wanted”. Doch auch die Website von Wikileaks wurde gesperrt. EveryDNS unterband den Zugang zu wikileaks.org und später auch den Zugang zu wikileaks.ch. Auch Amazon hatte die Seiten bereits vom Netz genommen. Und nun hat sich auch Paypal auf die Seite der Wikileaks-Gegner gestellt: Sie sperrten heute den Wikileaks-Paypal-Account und stellen den momentanen Höhepunkt der Bemühungen dar, Wikileaks aus dem Cyberspace zu verbannen.

Die Aktionen von Amazon und Paypal haben nun jedoch folgen für die Unternehmen. Eine Welle der Solidarität für Wikileaks macht sich in der Webgemeinschaft breit. Auch die Reporter ohne Grenzen rügen die Art der Reaktionen (Sperren, Hackangriffe, etc. auf Wikileaks) und Island überlegt sogar, eine Gesetzesgrundlage zu schaffen, um als sicherer Hafen für Wikileaks und ähnliche “Verfolgte” zu dienen.

Ich persönlich finde, dass gerade ein bedeutsames Ereignis stattfindet, dass die On- und Offline-Welt nachhaltig beeinflussen wird. In welche Richtung, das bleibt abzuwarten. Doch teilt sich momentan die Webgemeinschaft in zwei Lager. Die einen unterstützen die Aktionen von Wikileaks und fordern freien Zugang zu allen Informationen (ein Grundsatz, der schon lange die oberste Maxime der Netzwelt ist), während die anderen gegen die Mittel von Wikileaks sind (oder selbst Politiker sind).

Wie wird es weitergehen? Ich glaube kaum, dass Amazon oder Paypal bald Konkurs anmelden müssen, aber es werden Forderungen nach globalen Boykotten laut und die Fronten verhärten sich. So wenig aufregend die veröffentlichten Daten von Wikileaks auch gewesen sein mögen, da durch die Veröffentlichung an sich dem Giganten USA ans Bein gepinkelt wurde, was dieser sich nicht gefallen lassen will, resultierten daraus Reaktionen, die in ihren Auswirkungen vielleicht weiter reichen, als viele gedacht haben. Ich bin überzeugt, dass sich auf Grund dieser Veröffentlichungen etwas grundlegend ändern wird. Geändert hat. Und viele Menschen ihre Haltung zu Informationsverfügbarkeit, Geheimnissen und öffentlichem Handeln überdenken müssen. Dies beobachte ich mit Spannung, teilweise aber auch mit erschrecken. Mal sehen wohin die Reise geht…

Update: Gerade habe ich erfahren, dass ein Kolumnist der Washington Times die Ermordung von Assange fordert! Das geht ja noch weiter als die genialen Ideen von Sarah Palin. So nicht!

About these ads

8 Antworten zu „Die Aufspaltung der Webgemeinschaft?“

  1. monologe

    “Mal sehen wohin die Reise geht… “? Einfach abwarten. Zum Fenster rausgucken, die Hunde beobachten, oder wie der Schnee die Autos glättet, gucken, wie die Leute laufen, atmen-mal sehn, was draus wird…

    Antwort
  2. ebook leser

    Für WikiLeaks wird die Arbeit noch schwieriger. Der Bezahldienst Paypal setzt WikiLeaks vor die Tür und hat das Konto gesperrt, über das bisher viele Spenden flossen. “Verletzung der Nutzungsbedingungen” wegen “Förderung illegaler Aktivitäten”, lautet die Begründung. Schau an, wenn ich sehe wieviele webseiten mit paypal arbeiten, die illegale sachen machen, zeigt mir das doch wieder, dass der Anbieter wohl extremen Durck von den USA bekommen hat. Ich frage mich, wie paypal sich verhalten hätte, wenn es kein amerikanisches Unternehmen wäre.

    Antwort
  3. Michael Waning

    “Freier Zugang zu allen Informationen” ist die oberste Maxime der “Netzwelt”? Wer ist denn die Netzwelt? Ist die Netzwelt geschlossen für WikiLeaks? Und ist die “Webgemeinschaft” die Netzwelt? Ich sehe das manchmal kuschelige Gefühl unter Bloggern sehr kritisch – die Meinungen über dieses Thema sind vermutlich vielfältiger und kontroverser, als gern angenommen wird.

    Ich glaube die eigentliche Kontroverse liegt in einer neuen Nutzung einer Eigenschaft des Internets, die bisher vor allem der Musik-, Film- und Softwareindustrie Kopfschmerzen bereitet hat: der globalen Zugänglichkeit von Online-Informationen. Unaufregend unter den WikiLeaks-Papieren sind die dokumentierten Meinungen über deutsche Politiker. Sehr aufregend hingegen sind die Beurteilungen der politischen Lage in den verschiedensten Regionen der Welt, die durchaus sicherheitsrelevant für die USA oder ihre Partner sind (beispielsweise die Vereinigten Arabischen Emirate im Konflikt mit Iran). Vor diesem Hintergrund kann ich selbst die obskuren Forderungen bezüglich der Lebenserwartung von Herrn Assange nachvollziehen. Für den einzelnen Weltbürger wird die Politik transparenter, für Nationen und ihre Diplomatie sind viele der Informationen zu transparent, um weiterhin ausreichend diplomatischen Spielraum zu haben.

    Amazon und PayPal nehme ich gar nichts übel, diese Unternehmen wollen bloß Gewinn erwirtschaften. Einerseits mag man ihnen vorwerfen, sich durch die Schritte gegenüber WikiLeaks unnötig Probleme für ihr Image und damit ihre Handlungsfähigkeit einzuhandeln. Aber andererseits wäre das größere Übel womöglich ein juristischer Streit mit den Vereinigten Staaten. Ich erwarte von einem Online-Versand und einem bequemen Online-Zahlsystem nicht, dass sie politisch Stellung beziehen und sich im Namen der globalen Informationsfreiheit auf rechtliches Glatteis begeben. Vielleicht haben sie das durch ihre Maßnahmen getan – in jeden Fall jedoch hätten sie dies getan, wenn sie WikiLeaks weiterhin ihre Services zur Verfügung gestellt hätten. Der Vergleich von ebook leser mit anderen illegalen Internetangeboten greift angesichts der politischen Tragweite der Aktivitäten von WikiLeaks etwas kurz.

    Ich lese die Aufarbeitungen der WikiLeaks-Dokumente mit großem Interesse. Aber rechtfertigt das die Veröffentlichung? Diese Frage kann ich nicht beantworten. Was das Internet verändert hat, sind die Spielregeln in Bezug auf sensible Daten. Dieser Prozess kann nicht mehr umgekehrt werden und selbst Staaten müssen sich darauf einstellen. Die USA jedenfalls haben mit dem internen Netzwerk des Außenministeriums, das sensible Daten zehntausenden Mitarbeitern zugänglich gemacht hat, äußerst naiv gehandelt. Bei Anne Will hat Herr Kornblum gesagt, wie sehr er den Austausch im Diplomatennetz immer geschätzt hat. Vielleicht müssen die Diplomaten von Hillary Clinton akzeptieren, dass sie hier Abstriche machen müssen, sollen Geheimnisse auch geheim bleiben.

    Antwort
    • Thomas Adolf

      Informationswirtschaftliche Anmerkung:

      Das Problem (und damit auch der Grund für das Bekanntwerden von internen Informationen) ist ja folgendes:

      Im Kampf gegen den Terrorismus nach dem 11. September war ein großes Problem, dass viele Behörden nur ungenugend über die Erkenntnisse von anderen Behörden informiert waren.

      Also hat die damalige Bush-Administration den Kreis der Leute (Institutionen) erhöht, die Zugang zu diesen sicherheitssensiblen Netzwerken haben. Ich meine im Spiegel gelesen zu haben, dass sich dieser Kreis nach Personenzahl sogar mehr als verdoppelt hat.

      Der Grundgedanke war damals, dass die Behörden miteinander besser vernetzt werden, weil es tatsächlich so war, dass bei der Vernetzung extrem große Defizite bestanden, gerade was die Prävention von Terroranschlägen angeht.

      Der Bush-nahe US Botschafter Kornblum möchte natürlich nicht diesen Fehler eingestehen, weil das den Präsidenten belasten würde, der ihn damals berufen hat.

      Die Daten, die jetzt auf wikileaks aufgetaucht sind, sind Daten, die ein Soldat in seiner Zeit im Irak aus dem Netzwerk gezogen hat, also kann man auch davon ausgehen, dass die Daten nicht oder kaum gefiltert wurden.

      Wenn man jetzt z.B. die Masse an Blogeinträgen und Informationen zu Grunde legt, die z.B. durch den hashtag #iranlection durch Exil-Iranische Aktivisten gesichtet und weitergegeben werden, kann man vergleichend bei den einzelnen US-Behörden durchaus von sowas wie ein Information-Overkill im Netzwerk ausgehen. (was interessiert es einen Soldaten im Irak, was der US-Botschafter in Berlin über Guido Westerwelle nach Washington kabelt?)

      Bush hat damals die ganze Sache überstürzt oder unzureichend durchdacht und jetzt muß sein Nachfolger (wie in anderen Themenbereichen auch) die Scherben wegfegen…..

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Einfaches HTML ist erlaubt. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Abonniere diesen Kommentar-Feed über RSS

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 1.576 Followern an

%d Bloggern gefällt das: